Eintracht Frankfurt vor dem Europa-League-Rückspiel

Etwas Besonderes

Eintracht Frankfurt tritt heute Abend gegen Inter Mailand im Achtelfinalrückspiel der Europa League an. 15.000 Fans sollen angereist sein. Die Mannschaft hat sich das konsequent verdient.

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Als die Pressekonferenz von Eintracht Frankfurt gestern begann, hatte Christian Peintinger eine Aufgabe, die er normalerweise nicht ausfüllt. Er saß auf einem Podium und beantwortete Fragen. Eigentlich ist Peintiniger, ein ehemaliger österreichischer Fußballer mit nicht nennenswerten Stationen, Co-Trainer in Frankfurt. Normalerweise arbeitet der Mann, den sie »Peinti« nennen, im Hintergrund. Er steht auf dem Trainingsplatz, feilt mit einzelnen Spielern an Flankenläufen, wertet Videos aus. Heute Abend wird er im Vordergrund stehen. Weil Chefcoach Adi Hütter nach einem Flaschentritt für das Europa-League-Rückspiel gegen Inter Mailand gesperrt ist.

Hütter weigert sich

90 Minuten vor Anpfiff muss der Kontakt zwischen dem Coach und seiner Mannschaft offiziell beendet werden. Ab dieser Minute werden Hütters Assistenten übernehmen, angeführt von Christian Peintinger - so sehen es die Uefa-Regularien vor. Vorgesehen hatte die Uefa auch, dass Adi Hütter als Cheftrainer bei der obligatorischen Pressekonferenz am Vortag des Spiels Rede und Antwort stehen würde. Doch der weigerte sich, weil er sich noch immer über die Sperre ärgerte. Und wenn schon gesperrt, dann richtig. So stieg Peintinger aufs Podest.

Die Reaktion der Frankfurter ließe sich als Beleidigtsein interpretieren. Eingeschnappte, die ihre Strafe nicht anerkennen und sich auf ihre Weise rächen. Doch dieser Tage gibt es kaum jemanden, der so denkt. Das Fernbleiben von Adi Hütter wirkt nur konsequent. Die Eintracht nur noch sympathischer.

»Viele heimliche Fans«

Und das ist dann doch etwas seltsam. Zehn Monate nach dem etwas überraschenden und umso mehr bejubeltem DFB-Pokalsieg schickt sich diese Mannschaft an, als Vertreter Fußballdeutschlands durch Europa zu touren. »Wir haben viele heimliche Fans«, sagt Hütter. Mit der Eintracht verhält es sich wie mit der Erkenntnis, dass Oasis in den meisten Fällen besser ist als Nickelback: darauf können sich alle einigen.