Warum Makoto Hasebe der heimliche Chef in Frankfurt ist

Gott ist Japaner

Sein Trainer vergleicht ihn mit gutem Wein, wir greifen noch ein Regalbrett höher: Mit 35 Jahren spielt Makoto Hasebe im Schatten eines überragenden Offensivtrios die bislang beste Saison seiner Karriere.

imago images

»Gott ist tot«, konstatierte Friedrich Nietzsche schon 1882. Seine Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft hatte ihn zu diesem drastischen Schluss geführt. Die christliche Zivilisation hatte ihr eigenes Fundament verstoßen, die Grundsätze ihres Zusammenlebens zerstört. Die Zukunft, sie sah düster aus.

Nicht ganz unähnlich, wenn auch deutlich weniger drastisch, hätte eine Bewertung der Situation von Eintracht Frankfurt vor Saisonbeginn ausfallen können. Der Pokalsieger-Trainer weg, der Fußballgott abgeschoben, eine 2:5-Niederlage im Supercup. Die Abkehr vom alten System brachte große Probleme. Auch der Saisonstart mit drei Punkten aus den ersten drei Spielen verlief wenig erfolgreich. Der Blick Richtung Zukunft war nur wenig rosiger, als ihn Nietzsche für die Zivilisation zeichnete.

Ein Wendepunkt am vierten Spieltag

Am vierten Spieltag allerdings tat sich etwas am Main. Adi Hütter hatte sich nach dem unglücklichen Saisonstart eingestehen müssen, dass sein geliebtes 4-2-3-1 nicht griff und kehrte gerade defensiv zur Taktik seines Vorgängers zurück, die das Fundament dessen Erfolgs gewesen war. Fortan spielte Frankfurt wieder mit einer Dreierkette. 

Damit einher ging eine zweite Rückkehr: die von Makoto Hasebe, quasi der Zement dieses Fundaments. Rückblickend lässt sich nach 22 Spieltagen, Platz sieben in der Bundesliga und dem Achtelfinaleinzug in der Europa League feststellen: Es war der Wendepunkt in der Saison der Eintracht. Heute sieht die Zukunft deutlich schöner aus.

So unersetzlich wie zuvor

Makoto Hasebe ist im Januar 35 Jahre alt geworden. Im November kürte ihn die Asiatische Fußball-Konföderation (AFC) zu »Asiens internationalem Spieler des Jahres«, in der Winterpause der Kicker zum besten Innenverteidiger der Bundesliga. Was sich bereits vermuten ließ, bestätigte Hasebe dem Kicker selbst: »Aktuell habe ich die beste Form meiner Karriere.« 

Der Japaner ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass Frankfurt mit 28 Gegentoren die fünftbeste Defensive der Liga hat. Elf davon wiederum fielen in den sechs Spielen, die Hasebe diese Saison verpasste. Als Libero 2.0 ist er im System der Eintracht wieder so unersetzlich, wie er es schon in den Jahren zuvor war.

Hasebe und Hütter haben aus der Not eine Tugend gemacht. »Im hohen Alter kann er zwar noch das eine oder andere Mal im Mittelfeld aushelfen, aber er könnte jetzt keine drei Spiele in Folge mehr auf der Sechs spielen«, sagte sein Trainer dem Kicker. Muss er aber auch gar nicht. Denn im Zentrum der defensiven Dreierkette spielt der 35-Jährige die bis dato beste Saison seiner Karriere. Warum?